Meister Chen Ziqiang & Chenjiagou (der Geburtsort des Taiji)


Chen Ziqiang ist Schulleiter und Cheftrainer der Chenjiagou Taiji Schule. 1977 geboren ist er in 20ster Generation (nach Chen Bu) und wird seit seiner frühesten Kindheit von seinem Vater Chen Xiaoxing und von seinem Onkel Chen Xiaowang sorgfältig und kenntnisreich trainiert. Harte Arbeit, die mit der strengen Weisheit seiner Trainer einherging, ließen ihn zum Meister der  Taiji- typischen Waffen- und Handformen, den TUI SHOU-Routinen und dem Taiji-Sanda (SAN SHOU, 'Freie Schläge') werden. Außerdem forscht er fleißig nach Ursprüngen und Hintergründen der Taiji Tradition und verlorengegangenen Taiji Formen.  Seit 1998 unterrichtet er an der Schule als leitender Lehrer und führte mehrere Teams der Chenjiagou Taiji Schule zu internationalen Wettbewerben, bei denen hervorragende Ergebnisse erzielt wurden. Außerdem empfängt er regelmäßig in- und ausländische Kampfkunstbegeisterte in seiner Schule und gibt viele Interviews für Radio, Zeitungen und andere Medien. Er behandelt Menschen aufrichtig, unterrichtet pädagogisch wertvoll und unkompliziert: Die individualisierten Unterrichtsmethoden wurden von allen einstimmig gelobt und haben zur weltweiten Verbreitung des Taijiquan erfolgreich beigetragen. www.tjqxx.com


陈家沟太极拳学校总教练 陈家沟陈氏太极拳协会秘书长 世界太极拳联谊会秘书长 陈家沟陈氏第二十世太极拳嫡宗传人 陈自强,男,1977年出生于太极拳世家, 陈家沟陈氏第二十世太极拳嫡宗传人, 自幼随父亲陈小星习练家传拳械,并得到二伯父陈小旺的悉心指导, 加之聪颖刻苦,勤于钻研,不仅擅长陈氏太极拳套路, 以及各种器械,对太极拳推手、太极散手颇为谙熟,动作弹抖靠发、 迅猛冷脆,功夫极具威力。自1998年在陈家沟太极拳学校任教至今, 多次率领陈家沟与陈家沟太极拳学校两支代表队, 参加全国各项比赛,均取得了优异成绩,硕果累累。 多次接待前来陈家沟参观、学习的国内外武术爱好者, 进行切磋交流,被多家电台、报纸等媒体采访报道。其待人真诚, 为人直爽,因人而异的教学方法受到了大家的一致称赞, 为弘扬陈氏太极拳,为太极拳的发展和走向世界作出了贡献。



Ein Interview mit Meister Chen Ziqiang / dt


Sie finden Gleichgewicht im Training, indem Sie ein Gleichgewicht in allen Aspekten Ihres Lebens finden.  

Das Interview führte Špela Kolenc, Leiterin der slowenischen Dependence der Chenjiagou Taiji Schule.

"Meister Chen Ziqiang gehört zur 20. Generation der Familie Chen. Er wurde 1977 in Chen Village (Henan, China) geboren und ist der älteste Sohn von Großmeister Chen Xiaoxing, Neffe von Großmeister Chen Xiaowang und Urenkel des legendären Taiji-Meisters Chen Fake.

In seinen Zwanzigern wurde er als einer der härtesten Kämpfer des Dorfes bekannt. Er nahm an vielen nationalen Wettbewerben in ganz China teil und gewann zahlreiche Goldmedaillen in jeder Disziplin, in der er antrat, einschließlich der Handformen, Waffenformen und Pushing Hands. Er ist der Cheftrainer der Chenjiagou Taijiquan Schule, die er mit seinem Vater in seinem Heimatdorf leitet, und in der er seit mehr als zwei Jahrzehnten unterrichtet. Seit dreizehn Jahren führt er auch Seminare im Ausland durch. Er reist jedes Jahr für etwa sechs Monate um die Welt, um das Wissen und die Fähigkeiten seiner Familie zu verbreiten. Ich habe Meister Ziqiang 2014 zum ersten Mal auf einem seiner Seminare in Slowenien getroffen. Er hat mich sofort mit seinen Fähigkeiten, seinem Unterricht und seinem Charakter beeindruckt. Ich war beeindruckt von seinem starken und beweglichen Körper, der es ihm ermöglichte, seine Fähigkeiten auf solch unbeschwerte und natürliche Weise auszudrücken. Außerdem empfand ich ihn als einen sehr ruhigen und in sich gekehrten Menschen, gleichzeitig aber auch als sehr fokussiert und innerlich kraftvoll. Was mich am meisten inspirierte, war sein Engagement, seine Genauigkeit und sein fleißiges Wesen. Er ist ein lebender Beweis dafür, wie kraftvoll und voller Fähigkeiten ein Mensch durch engagiertes und kontinuierliches, lebenslanges Training werden kann. In den Jahren 2017 und 2020 hatte ich auch die Möglichkeit, mit ihm an der Chenjiagou-Schule zu trainieren. Nach seiner Rückkehr von einer langen Auslandsreise im Jahr 2017 nach Chenjiagou, intensivierte sich die Atmosphäre harter Arbeit an der Schule, und ich konnte fühlen, dass er unter allen Lehrern und Schülern große Autorität genoss. Unabhängig von seiner Position strahlte er immer Ruhe aus und setzte niemals Gewalt ein. Ich hatte den Eindruck, dass Meister Ziqiang den Schulbetrieb sehr genießt. Er mag es von Studenten, seiner Familie und Freunden umgeben zu sein, die zu Besuch kommen. Jeden Tag, wenn ich Zeit in seinem Büro verbrachte (was sein Lieblingsplatz zu sein schien), fühlte ich mich wie in seinem Wohnzimmer. Die Atmosphäre während des Unterrichts war immer ernst und ehrgeizig, gleichzeitig aber auch entspannt. Manchmal konzentrierte er sich ganz auf das Unterrichten, manchmal war er auch mit vielen anderen schulischen Aktivitäten beschäftigt, oder er machte nur eine Pause und genoss seinen Tee und die Gesellschaft der Leute. In der Zwischenzeit fand er immer noch Momente, um Schüler*innen zu korrigieren, die in seiner Nähe trainierten. Er war voll und ganz dem Lehren verpflichtet. Als ich während des letzten Frühlingsfestivals einen Monat lang mit ihm trainierte, bot er jeden Tag Unterricht an, sogar am ersten Tag des chinesischen Neujahrs.

Während des Lernprozesses bestand er auf Grundlagen und ging auf Details ein. Wenn ich bereit war, für einen bestimmten Zeitraum eine bestimmte Haltung einzunehmen, korrigierte er mich auch beharrlich. Zu anderen Zeiten bat er mich, einige Wiederholungen der Form durchzuführen. Zuerst beobachtete er mich ohne mich beim Training zu unterbrechen, später konzentrierte er sich auf die Verbesserung von Details. Jedes Mal, wenn er die Bewegungen demonstrierte, beeindruckte mich diese Erfahrung, besonders wenn ich nahe bei ihm stand. Während ich z.B. eine Form in einer Gruppe übte, bat er mich manchmal, vorne zu stehen und eine Gruppe zu leiten, obwohl es andere Schüler gab, die fortgeschrittener waren als ich. Der Zweck dieser Maßnahme wurde mir später klar: Er wollte, dass ich die Erfahrung mache und daraus lerne. Trotz seiner introvertierten Natur empfinde ich Meister Ziqiang als sehr kontaktfreudig. Er hat gerne Spaß und liebt es zu scherzen. Es gab schöne Momente, in denen er dermaßen viel Glück ausstrahlte, dass die Menschen um ihn herum auch glücklich wurden. Aufgrund seiner Großzügigkeit hatte ich den Eindruck, dass er ein starkes Gefühl zur Gemeinschaft hat und sich sehr gerne um andere kümmert.  Dies trat nicht nur während des Unterrichts, sondern auch in den Pausen in den Vordergrund, als er regelmäßig die gesamte Gruppe von Studenten zu Tee, Obst und Snacks in sein Büro einlud. Er war ein sehr guter Gastgeber und manchmal war ich sogar sprachlos, dass und wie gut er sich, persönlich, um ganz praktische Dinge kümmerte, die ich während meines Aufenthalts brauchte. Trotz seiner hohen Position bleibt er immer noch ein sehr bescheidender Mann, und vielleicht war genau diese Bescheidenheit auch die Eigenschaft, die ihn zu seiner Meisterschaft führte.

Im Winter, während meines letzten Aufenthalts in der Chenjiagou-Schule, erklärte sich Meister Ziqiang bereit, ein Interview zu geben. Nach dem Mittagessen und vor dem Nachmittagstraining, setzte er sich an den Teetisch in seinem Büro und bot mir, großzügig, eine Stunde seiner kostbaren Zeit an, um meine Fragen zu beantworten. Zu Beginn unseres Gesprächs sprach er über seine Haltung zum Taiji und die Umgebung, in der er aufgewachsen ist. Er sprach darüber, was die Essenz von Taijiquan sei und wie sich die Trainingsmethoden an der Chenjiagou-Schule im Laufe der Zeit verändert hättenEr teilte einige seiner Gedanken über Taiji als Kampfkunst und warum es diesbezüglich viele Missverständnisse gäbe. Darüber hinaus gab er einige Ratschläge für ein erfolgreiches Training, betonte, wie wichtig es sei sich an die Grundlagen zu halten und die Beschäftigung mit dem eigenen Weiterkommen loszulassen. Zuletzt verwies er daraufwie wichtig es für Schüler sei, während des Trainings die Ruhe zu bewahren und auch, wie Taijiquan den Menschen in der heutigen Welt grundlegend helfen kann. Er betonte die Notwendigkeit für alle Anfänger*innen, an ihrem Taiji-Training festzuhalten.


Über das Training in der Vergangenheit…

Meister Chen Ziqiang, Sie waren seit Ihren frühen Jahren unweigerlich mit  dem Taijiquan verbunden. Wie war und ist Ihre Einstellung dazu, als Sie ein Kind, ein Jugendlicher und später ein Erwachsener wurden?

In meinen frühen Jahren mochte ich Taijiquan überhaupt nicht, doch ich musste es tun. Aber ab einem Alter von dreizehn Jahren fing ich plötzlich an, es sehr zu mögen. Zu dieser Zeit war meine Motivation, mehr oder weniger, für mich selbst zu trainieren. Als ich älter wurde, fühlte ich mich auch verantwortlich dafür, die Familientradition weiterzugeben und meinen Kindern etwas davon weiterzugeben.

Hatten Sie als Kind und Jugendlicher, außer der Beschäftigung mit Taiji, noch andere, spezifische Interessen?

Ich verbrachte gerne Zeit in der Natur. Ich kletterte auf Bäume, fing Vögel und Schlangen. Im Winter spielte ich mit Schnee, im Frühling sammelte ich Gras und wilde Blumen auf meinem Weg durch die Wiesen, und im Herbst pflückte und aß ich Obst.

Können Sie uns etwas über die Umgebung erzählen, in der Sie aufgewachsen sind? Wo haben Sie in Ihrer Jugend gelebt und Taiji praktiziert?

Ich wurde in einem Haus geboren, in dem mein Urgroßvater, Chen Fake, lebte, in der Nähe des Ortes, an dem sich heute die Schule meines Cousins ​​Chen Bing befindet. Die Überreste könnten noch da sein. Der Ort, an dem ich früher lebte und studierte, war das Haus meines Großvaters, das sich genau an dem Ort befand, an dem sich jetzt Chen Bings Schule befindet. Einige Jahre später zerfiel das Haus, so dass unsere Familie in eine Art Hütte umziehen musste. Wir begannen an der Stelle, an der das alte Haus gestanden hatte, ein neues Haus zu bauen und zogen dann dorthin zurück.

Die Dinge, die mein Vater den größten Teil seines Lebens tat, waren, neben dem Üben und Unterrichten von Taijiquan, Häuser zu bauen und Kinder zu erziehen. Das erste Gebäude seiner heutigen Schule wurde in den 1980er Jahren gebaut. Aber damals bin ich nicht sehr oft zur Schule gekommen. Ich trainierte immer noch hauptsächlich zu Hause unter der Anleitung meines Vaters. Ab 2003 bin ich dann endlich auch zur Schule gegangen.


Die Familie von Meister Chen Ziqiang1985: Chen Ziqiang (in der Mitte) mit seiner Mutter, Wang Y´er, seinem Vater, Chen Xiaoxing, seiner jüngeren Schwester, Chen Ling Qiao und seinem jüngerem Bruder, Chen ZiJun (Foto: persönliches Archiv von Chen Ziqiang).


Sie wurden (und werden) von Ihrem Vater Chen Xiaoxing trainiert. Wann haben Sie angefangen Ihre eigenen Taiji-Weg zu entdecken und zu etablieren? Wie viel Freiheit hatten Sie in Ihrem Lernprozess?

Ich habe seit meinen frühen Jahren mein eigenes, unabhängiges Denken über Taijiquan. Mein Vater hat mich nie aufgefordert die Bewegungen genauso zu machen wie er, aber wenn mir etwas nicht klar war, bat ich ihn immer um Rat. Beim Taijiquan geht es nicht darum, das äußere Erscheinungsbild zu imitieren. Es geht darum, Methoden und Bewegungen, ihren Inhalt und damit zusammenhängende Prinzipien zu studieren.

Hat sich Ihre Herangehensweise an Bewegungen im Laufe der Zeit geändert, und ändert sie sich immer noch, Ihrer Entwicklung entsprechend?

Es hat sich nicht viel geändert, da die Prinzipien immer noch dieselben sind. Mein Denken über diese Prinzipien hat sich jedoch leicht geändert. Zum Beispiel gibt es zwei Versionen von "Shan Tong Bai“ (der Titel der Bewegung: "Mit dem Rücken ausweichen wie ein Blitz / Schnell mit dem Rücken ausweichen“, aus der alten Form I./ Laojia Yilu). Mein Vater brachte mir die erste bei und mein Onkel, Chen Xiaowang, die zweite. Ich benutze sie beide in der Form, vielleicht habe ich sie ein bisschen abgeändert. So vermeide ich es, dieselbe Bewegung immer und immer zu wiederholen.

 

Chen Ziqiang (erster von links) trainiert 1989 mit seinem Bruder und seiner Schwester (Foto: persönliches Archiv von Chen Ziqiang).

 

Wann haben Sie angefangen, Ihre erste Form zu lernen und wie lange hat es gedauert, bis Sie angefangen haben, die nächste zu lernen?

Ich konnte die Laojia Yilu (alte Form I.) im Alter von fünf Jahren aufführen. Ich habe auch Zhan Zhuang (Pfahlstehen) geübt, aber die Form habe ich immer wieder vergessen, weil sie zu lang war. Ich hatte die Laojia Yilu bis zum Alter von siebzehn Jahren geübt, und erst dann begann ich mit der Laojia Erlu (Alte Form II.). Als ich ein Kind war, gab es kein Seidenfadenabhaspeln" (CHANSIGONG), keine 19er Form, keine 38er Form - sie wurden alle später von meinem Onkel, Chen Xiaowang, entwickelt.

Hatten Sie zu irgendeinem Zeitpunkt Schwierigkeiten bei Ihrer eigenen Praxis zu bleiben? Was hat Sie motiviert weiterzumachen?

Wie ich bereits sagte, war ich vor meinem dreizehnten Lebensjahr dazu gezwungen. Danach erst entwickelte ich ein eigenes Interesse für Taiji, und das Training wurde für mich das Wichtigste. Ich habe seitdem nie große Hindernisse überwinden müssen.

Haben sich die Trainingsmethoden in der Schule im Laufe der Jahre geändert? Wenn ja, auf welche Weise?

Ja, die Trainingsmethoden haben sich stark verändert. Von 1996 bis 2000 habe ich nie viel zwischen verschiedenen Trainingsmethoden unterschieden. Das Training bestand aus ein bisschen Gewichtheben, Rennen, TUISHOU und Formübungen. Es war in gewisser Weise flexibler, entspannter und organischer. Von 2000 bis 2008 begann ich klarere Anweisungen zu geben, z.B. wann man das Gewichtheben trainiert, wann man Formen trainiert und wann man TUISHOU trainiert (Pushing Hands / Schiebende Hände). Daher entwickelten die damals ausgebildeten Schüler*innen (zum Beispiel Chenjiagous neun Tiger) ein etwas anderes Denken. Im Laufe der Zeit wurden die Trainingsmethoden immer standardisierter. Jetzt haben Sie eine ganz bestimmte Ausbildung in Formen, bestimmten Tuishou-Techniken usw. Da Menschen unterschiedlich sind und unterschiedliche Körper haben, müssen sie aber auch auf unterschiedliche Weise geschult werden. Ab 2008 sind die Methoden in gewisser Weise allmählich wissenschaftlicher geworden. Da ich mehr Zeit im Ausland verbringe, bleibt weniger Zeit, um die Schule so zu führen, wie ich es früher getan habe. Daher muss das Training standardisierter werden.

 

Meister Ziqiang vor dem Tempel der Familie Chen im Jahr  (Foto: persönliches Archiv von Chen Ziqiang).

 


Über das Erlernen der Fähigkeiten ...

Obwohl Taiji im Grunde eine Kampfkunst ist, gilt dieser Aspekt im Westen als noch ziemlich unbekannt. Jeder, der Begriffe wie Kung Fu (GONGFU) und Karate hört, weiß, dass es eine Kampfkunst ist. Mit Taiji verbinden jedoch viele Menschen immer noch die Idee eines „Tanzes“, der nur zur Entspannung und zum Wohlbefinden gedacht ist. Warum denken Sie, ist dies so?

Dieses Missverständnis über Taiji gibt es nicht nur im Westen, sondern auch in China. Es gibt keine absolute, definitive Meinung, jeder einzelne Mensch hat eine andere Einstellung dazu. Vielleicht ist einer der Gründe für dieses Missverständnis, dass es viele Filme gibt, in denen Schauspieler viele schnelle Bewegungen in der Art von Kampfkunst ausführen. Die Leute sehen gerne, wie diese Akteure sehr hoch in die Luft springen usw. Daraus entsteht eine Art von Mentalität, die auf Missverständnissen und Unwissenheit über Kampfkünste beruht.

Zum Beispiel beinhaltet traditionelles GONGFU auch keine akrobatische Gymnastik. Das Drehen in der Luft und ähnliche Aktivitäten dienen hauptsächlich der Performance und dem Üben von Gongfu. Deshalb habe ich kein Interesse daran, Taiji als Kampfkunst zu verteidigen. Menschen, die sich wirklich für Kampfkunst interessieren, werden erkennen und verstehen, dass die Prinzipien des Taijiquan ein ausgezeichnetes und effektives System darstellen. Außerdem verstehen Menschen Taijiquan nicht, wenn sie Taiji nur als Gesundheitsübung betrachten. Wenn Sie echtes Taiji lernen möchten, gibt es keinen Unterschied zwischen Trainingsmethoden, die den Kampfaspekt entwickeln oder Ihre Gesundheit verbessernBeide Aspekte gehören zu dem ein und demselben Prinzip. Wenn die Leute denken, Taiji sei etwas anderes als eine Kampfkunst, zeigt dies nur, dass sie das gesamte Konzept falsch verstehen.

Nach der chinesischen Medizin wird das untere DANTIAN als "zentraler Punkt" des Körpersystems behandelt. Warum ist es in Taijiquan so wichtig?

Das DANTIAN ist wichtig, weil es dem Körper ein Gefühl von Richtung und Einheit gibt. Jede Bewegung hat einen Ausgangspunkt, genau wie eine Schule einen Schulleiter hat. Der Betrieb der gesamten Schule hängt von den Entscheidungen des Schulleiters ab. So ist es auch mit dem DANTIAN, es dient als "Schulleiter" des Körpers.

Haben Sie Ratschläge, wie Schüler*innen ihr DANTIAN kultivieren können?

Die Schüler*innen sollten sich nicht zu sehr bemühen ihr DANTIAN zu kultivieren. Dies ist etwas, das mit der Übung an sich einhergeht und nicht nur durch den bewussten Willen, das Wollen, erreicht werden kann. Wenn Sie regelmäßig Taiji üben, wird Ihr Bewusstsein für das DANTIAN mit der Zeit allmählich sichtbar. Zum Beispiel gehen Sonne und Mond jeden Tag, ohne Anstrengung, auf natürliche Weise auf. Sollten sie es einmal nicht tun, sollten man sich darüber keine Sorgen machen. Alles sollte immer ganz natürlich passieren.

Während meines vorherigen Aufenthalts in der Chenjiagou-Schule, war ich sehr beeindruckt von dem herausfordernden körperlichen Training, dass Sie für Kinder und Jugendliche ausgearbeitet haben. Denken Sie, dass erwachsene Schüler*innen auch der körperlichen Vorbereitung mehr Aufmerksamkeit schenken sollten, um ein höheres Niveau an Fähigkeiten zu erreichen?

Jede Altersgruppe benötigt einen anderen Trainingsstil, da die Anforderungen unterschiedlich sind. Natürlich kann das zusätzliche Dehnen, Laufen und Gewichtheben den Schüler*innen helfen. Jede Form der Übung hat ihre eigenen Vorteile.

Ab wann ist es für Schüler*innen sinnvoll Tuishou zu üben? Wie fange ich an und was sind die wichtigsten Dinge, auf die ich achten muss?

Die Schüler*innen üben TUISHOU auf verschiedenen Ebenen. Es ist sinnvoll, dass sie grundlegendes TUISHOU üben, wenn sie grundlegende Fähigkeiten erlernen. Aber natürlich brauchen sie ein gutes Verständnis der Basis, um auf fortgeschrittenen Ebenen aufbauend üben zu können. Bevor Sie beispielsweise chinesische Gedichte lesen können, müssen Sie über grundlegende Kenntnisse der chinesischen Sprache verfügen. Es dreht sich alles um die fundamentalen Grundlagen.


Meister Ziqiang beaufsichtigt 2016 seine Schüler*innen an der Chenjiagou-Schule (Foto: persönliches Archiv von Chen Ziqiang).

Hätten Sie Ratschläge für Lehrer*innen? Wie können sie noch besser werden?

Die Lehrer*innen sollten nicht zu viel über ihre Fähigkeit nachdenken. Sie sollten ihre eigenen Fähigkeiten und Grenzen respektieren lernen.

Gibt es eine traditionelle Familienregel, wie viel Taijiquan wir jeden Tag praktizieren sollten?

Wenn Sie gut werden möchten, sollten Sie mindestens zwanzig Mal täglich die Laojia Yilu üben.

Die Bewegungen der Formen haben ihre eigenen Namen. Woher stammen diese Namen?

Die Namen der Bewegungen wurden von Chen Wangting kreiert und stammten hauptsächlich aus Natur, Gesellschaft, Alltag und Kultur.


Über die Auswirkungen von Taiji…

Wie sollten die Schüler*innen ihre Aufmerksamkeit beim Üben einsetzen? Welche Erfahrungen haben Sie damit in der Praxis gemacht?

Wenn Sie üben, müssen Sie nur Ihren Geist ruhig halten. Die meisten Menschen werden Taiji üben, um gelassener zu werden, aber ich bin bereits gelassen, wenn ich mit dem Üben beginne.

Beim Taiji geht es um das Gleichgewicht. Wie finden wir Balance im Training?

Sie finden Gleichgewicht im Training, indem Sie ein Gleichgewicht in allen Aspekten Ihres Lebens finden.

Falls Menschen aus irgendeinem Grund nicht körperlich trainieren können (wenn sie z.B. verletzt oder auf Reisen sind usw.), ist es Ihrer Meinung nach wertvoll, in Ihrem Kopf zu üben? Üben Sie so?

Ich denke, im Kopf zu üben (d.h. zu visualisieren), wenn man zum Beispiel verletzt ist, kann eine gute Sache sein. Aber ich persönlich benutze diese Methode nicht. Es ist einfach nicht meine Gewohnheit.

Kann Taiji Menschen helfen sich geistig und körperlich zu erholen? Wenn ja, können Sie einige Beispiele für Menschen nennen, die sich mit Taiji von einer schweren Krankheit oder Verletzung erholt haben?

Ich habe viele Male gesehen, wie Taiji-Übungen den Menschen geholfen haben. Zum Beispiel gibt es einen älteren Schüler in der Schule, der früher Probleme mit den Knien hatte. Aber seit er Taiji praktiziert, sind seine Knieprobleme viel besser geworden. Ein anderer Student hatte eine sehr schlimme Wirbelsäulendeformation, eine Art Arthritis. Doch dann konnte er, nach einer gewissen Übungszeit, plötzlich auch auf einen Tisch springen. Es gab noch einen kleinen Jungen, der immer Computerspiele spielte. Seit er in unsere Schule gekommen ist, hat er keine Computerspiele mehr gespielt (lacht). Auch verloren übergewichtige Menschen an Gewicht und wurden durch das Üben von Taiji fitter.

Welchen Rat würden Sie Schüler*innen geben, die Taiji lieben, aber zu beschäftigt mit Arbeit und Kindern sind?

Wollen Sie mir sagen, dass diese keine fünf Minuten für die täglichen Übungen haben? Sie könnten dann Seidenfadenabhaspelnoder "Stehen wie ein Pfahl" praktizieren.

Wie kann Taiji dem modernen Menschen helfen?

Taijiquan ist ein perfektes System. Es ist sehr gut für ihre Gesundheit, die Muskeln, Knochen, Gelenke usw. und hat natürlich viele andere Vorteile für den modernen Menschen. Es kann insbesondere Menschen helfen, die unter viel Stress leiden. Es senkt ihren Blutdruck, erhöht die Funktionsfähigkeit des Immunsystems usw.

Haben Sie Ratschläge für Menschen, die anfangen möchten, Taiji zu üben? Worauf sollten sie achten?

Alle Anfänger*innen sollten sich, wenn sie sich dafür entscheiden, sich auch wirklich dafür entscheiden. Es macht keinen Sinn damit zu beginnen, wenn sie es nicht fortsetzen.


Ein Denkmal für den Urgroßvater des Meisters und Taiji-Meister, Chen Fake, auf dem Schulhof.  (Foto: Š. Kolenc)

Danksagung:

Dieses Interview wurde Anfang Februar 2020 in der Chenjiagou-Schule geführt. Ich stellte Meister Ziqiang einige zusätzliche Fragen per Online-Kommunikation und fügte sie anschließend in das Interview ein. Zunächst möchte ich Ziqiang für seine Zeit und seine Bereitschaft, meine Fragen zu beantworten, meinen großen Dank aussprechen, auch dafür, dass ich während unserer gemeinsamen Praxis einige Fotos machen und einige Fotos aus seinem persönlichen Archiv verwenden kann.

Ein besonderer Dank geht an Meister Ziqiangs langjährigen Schüler Joe Davey. Er war auch während meines Wintertrainings in der Schule anwesend, und ohne seine Hilfe hätte ich das Interview nicht machen können. Joe übersetzte meine Fragen ins Chinesische und die Antworten des Meisters zurück ins Englische. Ich bin ihm sehr dankbar für hilfreiche Vorschläge zum Inhalt der Fragen, sowie für all seine Geduld und Bereitschaft die zusätzlichen Fragen, die ich online an den Meister gesendet habe, zu übersetzen. Er organisierte auch die Fotos aus dem persönlichen Archiv des Meisters.

Zuletzt möchte ich auch Sara Štefančič für ihre Hilfe danken, die die endgültige Fassung des Interviews geprüft und ihre persönliche Meinung zum Inhalt abgegeben hat, und Ines Rajgelj, die den englischen Originaltext Korrektur las und den letzten Teil des Textes aus dem Slowenischen ins Englische übersetzte."

Špela Kolenc / Društvo YinYang / Telefon: 041 834 480 / E-pošta: info@yinyang-taiji.si

Aus dem Englischen übertragen von Oliver Hübel + Irena Katadzic


Promo-Video Chen Ziqiang





Chenjiagou Taijiquan Xuexiao

Die Chenjiagou Taijiquan Schule wurde 1980 gegründet. Sie ist die erste Fachschule für Taijiquan in ganz China, in der Ziviles, Kulturelles und Martialisches als Einheit unterrichtet und vermittelt werden. In dieser Schule wird über 9 Jahre hinweg besonders die Kampfkunst unterwiesen, aber auch ganz konsequent wie eine normale Regelpflichtschule. Seit der Gründung der Schule hält die Chenjiagou Taijiquan School am Familienmotto der Familie Chen fest, verbreitet Taiji als Mission und bildet eine große Anzahl exzellenter Taijiquan-Nachfolger für die Gesellschaft aus.  Die Schule umfasst derzeit eine Fläche von 13.000 Quadratmetern und eine bebaute Fläche von 9.000 Quadratmetern. Der Schulleiter Chen Xiaoxing und der Cheftrainer Chen Ziqiang sind gleichermaßen Nachkommen und Erben des Chen Taijiquan in der Hauptlinie. In dieser Tradierungslinie haben sie mehr als zehn internationale Sieger, nationale Sieger und Kampfkunsttrainer mit dem 6. oder höheren Meistergrad hervorgebracht, die die Pflicht der Kampfkunstunterweisung übernommen haben. Des Weiteren wurden mehr als zehn sehr erfahrene, pensionierte Lehrer angestellt, die die Bereiche des Zivilen, Kulturellen unterrichten. Die Wohnräume der Schule sind in Standard, Normal und Gruppenräume unterteilt; die kombinierten Standard-Trainingshallen sind zum Training unterteilt in Bereiche für Erwachsene und Jugendliche; die Schule ist auch mit Restaurants, Parkplätzen, Badezimmern, Indoor-Breitband und anderen Einrichtungen ausgestattet. Die Schule kombiniert das Erlernen der Faustkampfkunst, das Training der Körperkraft sowie kurhafte Freizeitgestaltung in Form einer ganzheitlichen Taijiquan-Trainingsbasis.  Gewöhnlich gibt es verschiedene Kursformen im Taijiquan, für Erwachsene zur Gesundung und körperlichen Ertüchtigung, z. B. als Kurzzeit- und Langzeittrainingskurse, Kurzzeitkurse für Ferien, Sommerkurse für Jugendliche usw. Je nach Anwesenheit und Lernniveau können nach Abschluss der Kurse Zertifikate ausgestellt werden.


陈家沟太极拳学校筹建于1980年,全国第一所太极拳专业学校 ,是一所集文化、武术教授于一体, 以武术教学见长的九年一贯制义务教育学校。自建校以来, 陈家沟太极拳学校一直秉承陈氏家训,以传播太极为己任, 为社会培养了大批优秀太极拳传人。目前占地面积13000平方米 ,建筑面积9000平方米。
校长陈小星,总教练陈自强,均为陈氏太极拳嫡宗传承人, 一脉相承;十余名国际冠军、全国冠军、 国家武术六段以上人员任武术教练, 并返聘经验丰富的退休教师十余人任文化课老师。 校内住房配有标准间、普通间、集体间; 标准综合练功厅分成人练功区和青少年练功区;校内另设有餐厅、 停车场、浴室、室内宽带等设施,是一所集学拳、练功、 疗养休闲于一体的太极拳训练基地。常年开设成人养生健身短期、 长期培训班、节假日短期班、 青少年暑期班等各种形式的太极拳培训,随到随学, 结业可颁发证书。联系电话:0391-6416456学校网站:www.tjqxx.com

 


Chen Fake, 陳發科 / 陈发科

1887-1957, 17. Generation, Statue im Museum in Chenjiagou, Henan, China.



Und hier noch ein kleiner Text von Meister Chen Ziqiang auf Englisch, der die genauen Verwandtschaftsverhältnisse aufzeigt:

"There are six siblings in my father’s family including himself. 
The eldest sister Chen Guiying 陈桂英 (Xiao Si 小丝) was from their father’s first wife Zhao Hengniu 赵恒妞.  On the death of the first wife my grandfather Chen Zhaoxu 陈照旭married my grandmother Yuan Baozhen 原宝贞。  They have five children (in chronological order) - the eldest son Chen Yonghe 陈永和 (Xiao Gou小狗), the elder daughter ChenYongping陈永平, the second son Chen Yongjian陈永建 (Xiao Wang 小旺), the third son Chen Yongguo陈永国 (Xiao Xing 小星), and the younger daughter Chen Yongfang陈永芳(Xiao Ying 小英).
Chen Yonghe (Xiao Gou), the eldest son, had not practiced taijiquan since he was a child, for various reasons. He lived away all his adulthood, only returning to the village at old age.
The second son, Chen Yongjian  (Xiao Wang), began to practice traditional taijiquan with his father (Zhaoxu) when he was young. After the death of his father he further developed the Old Frame with fifth uncle (Zhaopi 照丕). With his paternal uncle (Zhaokui 照奎) he trained the New Frame, Tuishou, Qinna, and the unique family art passed down through the generations.  He trained assiduously and attained outstanding skills, carrying on the family heritage, and propagating it all over the world, teaching up to a million students and disciples worldwide.
The third son Chen Yongguo (Xiao Xing ) was led to practice since childhood by his second elder brother (Xiao Wang), who was also an important role model in his practice. Growing up he developed the Old Frame with his clan fifth uncle (Zhaopi), and then followed his paternal uncle Zhaokui to practice the New Frame, and other traditional family skills such as Tuishou, Qinna etc. Throughout his life he stayed at home farming and transmitting the family art, teaching his sons and nephews to carry on the family tradition.  Thus making a great contribution to the continuing heritage of taijiquan for the next generation.
The eldest daughter, Chen Guiying whose mother died when she was young, was pampered at home and did not like to exercise and so did not learn the family art.
The second daughter Chen Yongping liked reading and going to school since childhood and from primary school was with her grandfather (Chen Fa Ke) and went to school in Beijing.  Therefore she did not practice the family art of taijiquan.
The third daughter Chen Yongfang suffered from the change of political status of the family in childhood.  At16 years old due to illness she was left with a deformed leg and was not able to practice the family taijiquan.  In recent years, Chen Ying’s taijiquan clothing brand has been established in chenjiagou.

[Of the next generation who have taught in the West - Chen Bing is the son of Chen Yonghe. Chen Jun, Chen Yingjun are the sons of Chen Yongjian (XiaoWang).  Chen Ziqiang, Chen Zijun are the sons of Chen Yongguo (XiaoXing)]

Some international Chenjiagou Chen Ziqiang Schools:

Chen Taichi (Shanghai)
Chen XiangLin
The 20th Generation.


Chen yiwei /陈一唯
Christelle Chen Savart
President association Qilongpai
Association de la famille chen de chenjiagou en France.
陈家沟陈氏太极拳协会法国分会
Cris.quan@hotmail.fr
qilongpai. blogspot. com
YouTube : association Qilongpai Chen

Silvia Esther Di Paula, C.A.B.A

Argentina.Chenjiagou Taijiquan Xuexiao Argentina.


Asociación Chilena de Chen Taichi - Maestro Chen Ziqiang
Teachers: Luis Pedreros and Raúl Toutin
Santiago, Chile

Svetlana Kobiakova
Chen Yi Mei / 陈一梅
Якутская школа тайцзицюань
Yakutsk taijiquan school
https://www.facebook.com/chentaijiyakutsk/

Chenjiagou Taijiquan Xuexiao España
Chenziqiang Taiji Xuetang
Delegación en España Chen Shi Taiji
Jorge Riscardoni 陈少武
Discípulo del Maestro Internacional Chen Ziqiang
www.chenshitaijispain.com

BuddhasWächter / Chenjiagou Taijiquan Xuexiao Germany
Chenjiagou Taijiquan Xuexiao Germany
Chenziqiang Taiji Xuetang
Oliver Hübel / Taiji-Lehrer nach chen Ziqiang

Präsident der berliner Dependance der Chenjiagou Taijiquan Schule Berlin / Deutschland
陈家沟陈氏太极拳协会分会会长
www.buddhaswaechter.de
https://www.facebook.com/Buddhaswaechter/


Alicia McGrann
USA / Las Vegas
www.mytaichilife.com
Facebook.com/Chentaijiquanlasvegas

Escola Chenjiagou de Taijiquan Brasil
Chen Ziqiang Taiji Xuetang
Chen Ziqiang Brasil
Gil Rodrigues 陈大黑
21º Geração da família Chen de Taijiquan e discípulo do Mestre Chen Ziqiang
https://www.facebook.com/ChenjiagouTaijiBR/
https://www.instagram.com/chentaijibr/


YinYang - Chen Ziqiang Taiji School Slovenia 

陈自强太极拳学校斯洛文尼亚 

Ljubljana, Slovenia www.yinyang-taiji.si